20 Jahre Ehe, Kinder großgezogen, Haus gebaut, Eltern, Großeltern bis zum letzten Atemzug begleitet, das schweisst zusammen oder? Man lebt sich auseinander, möchte nicht mehr Tisch und Bett teilen und trennt sich, doch nach allem, was man gemeinsam erlebt hat, sollte eine Trennung im Guten möglich sein…
Der Mann war noch nie treu, doch die Frau wusste, dass er immer nach Hause kam. Immer da war, wenn es schwierig wurde, darum sah sie darüber weg. Die Kinder sollten nichts missen müssen, beide Elternteile haben und so harmonisch, wie möglich aufwachsen, da sieht man über so Fehler hinweg.
Die Frau ging arbeiten, machte den Haushalt, kümmerte sich um einen vollen Kühlschrank, Essen auf dem Tisch, die Kinder, ging mit dem Hund und einmal im Monat traf sie sich mit Freundinnen allein. Der Mann ging arbeiten, ging seinen Hobbys nach und hatte somit das Recht, sich zu beschweren, wenn nicht alles passt. Die Frau bräuchte dann garnicht weg, denn schließlich würde er ja mehr Geld nach Hause bringen.
Die Frau ließ zu, dass sie auch mal einen Hieb abbekam, wenn der Mann meinte, er müsse seinen Aggressionen freien Lauf lassen oder auf die Kinder losgehen. Lieber stellte sie sich in den Weg und ließ alles zu, um ihre Kinder zu schützen. Sex gab es, wann er wollte, schließlich waren sie verheiratet und er habe somit das Recht, dies zu verlangen und sie zu gehorchen.
Der Tag kam, als die Frau nicht mehr konnte, sie trank regelmäßig, um alles ertragen zu können und es kam zu einem Unfall. Das Auto war Schrott! Das durfte sie sich immer wieder vorhalten lassen und duldete es, bis sie genug Kraft hatte, eine eigene Wohnung für sich, die Kinder und den Hund zu finden.
Ein Anruf, der Mann hatte einen Unfall, sei 16 Wochen ausser Gefecht gesetzt und die Frau hatte ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihn jetzt verlässt, also blieb sie und stornierte Wohnung und alles, was sie geplant hatte. Tag und Nacht wachte sie an seinem Bett, denn er hatte Schmerzen und schwor ihr erneut Besserung. Sie wollte es glauben, wünschte es sich, auch wenn sie ahnte, dass es nur leere Versprechen waren. Sie fand einen Brief mit einem Wellness-Wochenende und war froh, nicht gegangen zu sein, er wollte sich wirklich ändern.
Der Hochzeitstag kam und sie freute sich, auf das gemeinsame Wochenende und träumte von Ruhe und der Zweisamkeit, doch der Traum platzte, als sie einen Strauß Blumen von der Tankstelle und eine Schachtel Pralinen bekam. Sie ahnte, dass der Mann das mit einer anderen Frau geplant hatte und weinte sich abends in den Schlaf. Am nächsten Tag offenbarte der Mann, dass er mit der Feuerwehr auf Lehrgang müsse über ein Wochenende. Sie ließ sich nichts anmerken, doch sie war wieder zu schwach, um zu gehen.
Nach dem Wochenende war der Mann wieder ausgeglichen, freundlich und liebevoll. Sie redete sich ein, dass er dies bräuchte und es ok für sie ist, doch innerlich war sie einfach nur traurig und ängstlich. Der Mann fand einen Brief, wo der Vermieter der Wohnung schrieb, dass er es bedauert, dass sie nicht kommt, aber ihr alles gute wünscht. Der Mann flippte aus und schlug erneut zu. Sie raffte sich auf und ging mit ihrem Hund spazieren, überlegte, ob sie einfach weglaufen sollte, ihre Kinder konnte sie später holen, aber sie wollte einfach nur weg.
Die Frau ging auf einen Geburtstag und nahm Drogen zu sich, um alles in sich auszuschalten, nur einmal nichts fühlen, so geschah es auch. Sie fühlte nur noch Freiheit und brach dann zusammen. Sie rief ihren Mann an und beichtete, sie habe Mist gebaut, der Mann schrie und holte sie ab. Er war kurz vor dem nächsten Schlag, als er merkte, dass sie fast leblos da lag und sich kaum wehrte, da nutzte er die Gelegenheit und hatte Sex mit ihr. Er machte mit ihr, was er wollte, während sie sich nicht wehren konnte, doch bei Bewusstsein war und nur die Tränen fließen lassen konnte.
Er schlug vor, dass sie sich in Zukunft öfter so gehen lassen sollte, das wäre besser, als sonst gewesen, aber nicht soviel zu nehmen, denn er wolle, dass sie schluckt und mitmacht. Sie suchte Halt in der Arbeit, baute Überstunden auf, so dass sie fast ein Jahr zu Hause bleiben könnte. Der Mann stand nach der Arbeit an der Tür, um sie zu holen. Egal, ob die Kinder schliefen oder nicht. Er kontrollierte, was sie mit nach Hause brachte, sah ihr Handy durch und wollte Sex. Danach ging er ins Bett und sie machte den Haushalt und bereitete alles für den nächsten Tag vor.
Sie brach in der Arbeit zusammen, der Chef sagte ihr, dass es so nicht weitergehen kann, ihr Mann dauernd vor der Tür und sie nur noch fertig, sie solle ihr Leben auf die Reihe bekommen. Das war zuviel und sie wurde krank. Sie ging zum Arzt und ließ sich untersuchen, war dauernd müde und körperlich schwach. Er fand keine Ursache. Der Mann verlor das Interesse, denn er hatte eine andere, wo er sich ausleben konnte. Sie wusste es und kam nicht klar, dass er eine Affäre hatte. Wenn er einen One-Night-Stand hatte, war das für sie inzwischen normal, doch öfter mit einer anderen, ging nicht. Die Kinder brachte sie zu ihren Eltern und stellte ihn dann zur Rede. Er schrie sie an, machte sie psychisch fertig, dass sie auf ihn losging und er lachte, sollte ihm etwas passieren, wüsste jeder, wie schlimm sie sei. Sie wusste nicht mehr weiter und wollte ihm oder sich etwas antun, doch sie trank, bis sie einschlief.
Der Rücken juckte immer mehr und es blutete, sie ging zum Arzt und der stellte nach ein paar Untersuchungen fest, sie hatte Krebs. Sie machte alle Behandlungen alleine durch und renovierte das Haus zum Ausgleich. Sie lernte über Fernstudium und machte zwei weitere Abschlüsse. Sie wollte einfach wieder spüren, dass sie etwas Wert ist, doch nichts gab ihr das Gefühl.
Die Kinder pflegten an schlechten Tagen ihre Mutter, während der Mann bei seiner Geliebten war. Wenn Besuch kam, war er da und präsentierte sich als liebevoller Mann, doch die Kinder und die Frau waren auf sich gestellt. Manche Freunde durchschauten seine Masche und rieten ihr, endlich zu gehen. Doch sie hatte Angst. Angst, dass er sie findet und weitermachte, Angst, dass sie zusammenbrach und sie keiner finden würde. Einfach zu viel Ängste, um sich aufzuraffen.
Nach 20 Jahre, kurz vor Weihnachten offenbarte der Mann im ruhigen Ton, dass er die Scheidung möchte, er hätte sich verliebt und möchte sein Leben nun mit dieser Frau verbringen. Ein Termin beim Anwalt verlief ruhig und sachlich, doch der Mann hörte nur, was er wollte. Er drängte, dass die Frau nun endlich ausziehen solle und der jüngere Sohn mit, der grosse war schon ausgezogen und führte ein eigenes Leben. Die Frau entschloss sich zurück ins Elternhaus zu ziehen, dort den Dachboden auszubauen und endlich zur Ruhe zu kommen, doch die Pandemie machte ihr einen Strich durch die Rechnung.
Mit einer Summe war es für den Mann erledigt und er wollte nichts weiter zahlen, er beschuldigte die Anwältin, sie hätte das Paar falsch beraten und mehr würde der Frau nicht zustehen. Er rief die Frau an und schrie sie an, immer wieder und suchte sich einen eigenen Anwalt. Dieser erteilte sofort das Verbot, dass der Mann kontaktiert werden durfte und die Frau war verzweifelt. Nach 20 Jahren Ehe und alles, was man durchlebt, hat wollte sie doch nur zur Ruhe kommen und einen sauberen Abschluss. Er lebt im Haus und hatte sie nicht aus der Haftung genommen. Sie verzichtete auf die Steuerklasse, damit er nicht alles verliert und wollte keinen Streit mehr. Doch er stellte sich quer, reichte keine Unterlagen ein, unterstellte ihr, Unterlagen verschwinden haben zu lassen, die Kinder aufzuhetzen und stellte sich selbst als Opfer dar.
Während sie mit ihrem Sohn in einem Zimmer lebt, weiterhin in Eigenleistung ausbaute und keinen weiteren Job bekam, spürte sie jeden Tag, wie ihre Kraft verschwand. Die Hoffnung, eines Tages zur Ruhe zu kommen, wurde immer geringer. Sie stand jeden Tag mit Schmerzen auf und überwand sich, etwas zu tun. Abends im Bett weinte sie leise für sich und wünschte sich, sie wäre eher gegangen. Arzttermine wurden alle verschoben und es schien, als habe sie dieses Leben verdient…

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