oft habe ich das Gefühl unterm Radar zu laufen, doch dann holt mich die Realität ein. Irgendwer bemerkt mich und schaut mich an, redet mich auch noch an, welch Drama. Was ist los mit mir? Ich möchte nicht in den Mittelpunkt, vermeide es so gut ich kann, dass jemand aufmerksam wird, doch genau das schaffe ich trotzdem öfter als mir lieb ist.
Ich fühle mich unwohl, wenn ich angesprochen werde, egal warum und zugleich möchte ich nicht immer alleine sein. Ja es ist angenehm, wenn die richtigen Menschen um mich rum sind, doch wer sind denn die richtigen? Die, mir sagen, was ich falsch mache in meinem Leben? Oft ist mir das unangenehm, doch unter vier Augen im Einzelgespräch mag ich das sogar. Ich mag es nicht, wenn andere Personen dabei sind und mein Leben dann so in den Mittelpunkt gerät. Was stimmt nicht mit mir? Ich bin voller Widersprüche….
Mein Leben verlief nicht wie ich geplant habe, doch für was macht man einen Plan? Man versucht, einen Weg für sich zu finden, egal ob das für alle Mitmenschen um dich herum passt oder nicht, man ist egoistisch, weil man für sich den Weg sucht oder dominant, weil man ihn zielstrebig geht. Macht man es nicht und wirft seinen Plan über Bord und passt sich an, weil ja soviel Menschen bessere Ratschläge hat, ist man unselbständig und dumm…. gibt es überhaupt einen richtigen oder falschen Weg?
Man wird geprägt, von Eltern, Geschwistern, Verwandten, Bekannten, Kindergarten, Schule, Freunden, eigenen Erfahrungen. Man lernt nie aus, obwohl man manches vor her sehen könnte und logisch abwendbar ist, versucht man es vielleicht ja doch, um sich zu bestätigen oder es doch zu schaffen.
Mein Plan war, einmal um die Welt zu reisen, etwas zu erschaffen, Momente festzuhalten, kreativ zu bleiben, den Humor nie zu verlieren, selbständig für mich verantwortlich zu sein und mich niemals unterzuordnen, damit ich in ein Schema passe, doch es verlief anders. Ich wurde ungewollt schwanger, habe dafür Kritik und Demut geerntet, doch ich wollte dieses Kind! Das Kind sollte es jedoch besser haben, alles erreichen können, doch ich konnte ihm nichts bieten, also gab ich es in gute Hände. Ich wurde durch eine unglückliche Beziehung einige Jahre später erneut schwanger und sollte diese Kinder nicht zur Welt bringen, doch eines hat sich versteckt, fest gehakt und wurde geboren und ich war so stolz auf dieses kleine Wesen. Ich lernte den Mann kennen, der mir Anfangs imponierte, dann mehr Schein als Sein wurde und mit ihm habe ich ein weiteres Kind zur Welt gebracht.
Ich verstellte mich, um in die Gesellschaft zu passen, ertrug alles, was nötig war, um meinen Kindern ein gutes Leben zu bieten. Kämpfte mit und gegen mich selbst an, nur um mich so anzupassen und allem gerecht zu werden, was erwartet wurde. Wer war ich? Eine Mutter! Ich wollte meinen Kindern soviel mehr bieten, als ich konnte, habe sie zu selbständigen Menschen erzogen, so gut es mir möglich war, damit sie sich nicht selbst verlieren und ihnen auf den Weg mitgegeben, dass sie viel erreichen können, wenn sie hart arbeiten, vielleicht nicht alles, doch kein Ziel ist unerreichbar und immer mit Humor über einige unschönen Momente hinweg gesehen. Sie sollten sich nicht verbiegen, sollten an sich selbst glauben und arbeiten. Als sie dann älter wurden und selbständig waren, konnte ich schwer loslassen. Ich fiel in das ein oder andere „Loch“ wie man so schön sagt, doch ich wusste nicht, wie ich raus kommen sollte. Immer wieder fiel ich zurück und fühlte mich als Opfer, als Unnütz, als hätte man mich Jahre zuvor einfach irgendwo abgesetzt und vergessen, doch das war ich selbst, sonst niemand.
Hinter meiner Kamera konnte ich mich verstecken und war trotzdem sichtbar, denn meine Fotos wurden gern gesehen. Ich verbesserte meine Arbeit und wurde bekannt. Manchmal zu bekannt, doch wer war ich wirklich? Es fühlte sich gut an, für etwas gerne gesehen zu werden, was man erschaffen hat und auch die Kritik fand ich gut und konnte dadurch viel mehr aus mir rausholen, denn ich nahm diese immer an. Doch das alles ist nur eine Fassade, eine Maske, damit ich unterm Radar weiterlaufen kann.
Niemand bemerkte meine zahllosen Versuche, mein Leben zu beenden. Manchmal bemerkten nahestehende Personen, dass es mir nicht so gut ging, doch mit einem lockeren Spruch und viel Witz über mich selbst, merkte niemand wirklich, wie es in mir aussah. Meine Kinder gingen ihre Wege und ich war stolz darauf, dass sie ihr Leben besser meisterten, als ich meins. Ich ließ mich selbst auf einer Baustelle sitzen, meiner Baustelle, denn ich habe vieles begonnen, doch nichts vollendet, so fühlte es sich an. War das wirklich so oder spielte mir mein kranker Kopf einfach nur wieder einen Streich? Ich isolierte mich gefühlsmäßig immer mehr und konnte funktionieren.
Man schätzte mich für meinen Humor, meine Leichtigkeit, meine Hilfsbereitschaft, alles was ich gegeben habe, doch niemand sah hinter die Maske. Dann kam ein Mensch auf mich zu, der meine Hilfe brauchte. Wie immer war ich da und tat alles dafür, doch der Preis war zu hoch. Ich gab mich komplett auf und spielte eine gute Freundin vor. In Wahrheit klammerte ich mich an diesen Menschen, der mir soviel gute Gefühle und Zeit schenkte. Tag und Nacht war er für mich da, so wie ich für ihn und alle anderen. Ich ließ mich selbst jedoch wieder sitzen. Verfiel in eine Art Starre innerlich und funktionierte, wie er es erwartet hat und gab mehr, als mich selbst auf.
Sehr lange ging es gut, doch ich machte Fehler, blind vor Gefühlen hin und her gerissen. Ich musste gehen, von etwas, was ich für alle anderen aufgebaut habe und wofür ich mich schon längst aufgegeben hatte. Das Loch wurde tiefer und tiefer und ich sah mich nur noch fallen. Dieser Mensch war auf einmal anders zu mir, nicht mehr so viel Zeit und hatte auf einmal viel zu tun. Er distanzierte sich und warf es mir vor. Ich distanzierte mich natürlich auch, da ich merkte, dass er keine Zeit mehr hatte und diese Vorwürfe mich verletzten. Es fühlte sich an, als sei ich in das Loch gestoßen worden mit Tritten und Schlägen und alle standen darum herum und lachten und spotteten mich aus. Ich war so dumm, es fühlte sich nicht nur so an, sondern war Tatsache.
Lange Zeit sprach ich mit niemandem, verkroch mich immer mehr und spielte allen vor, dass es mir gut ging, dass ich dort weg gegangen bin und entschloss mich, nicht über die Wahrheit zu berichten. Auch dem Menschen gegenüber nicht mehr, der so lange für mich da war. Ich vertraute niemandem mehr und zog mich gefühlsmäßig so zurück, dass ich nur für mich alleine weinte und weiter funktionieren konnte. Ich fand wieder Spaß an meiner Kreativität, doch mein restliches Leben lag in einem Trümmerhaufen, welches ich Stück für Stück wieder aufbauen muss und auf Hilfe gehofft habe, doch leider bekommt man nicht immer, was man gibt.
Ich bleibe also unter dem Radar und versuche mich Schritt für Schritt zu regenerieren, doch Nähe oder Wahrheit bleibt verborgen, denn es hilft niemandem, wenn er weiß, wie ich mich wirklich fühle und helfen kann mir auch keiner, denn die bisherigen Hilfen bestanden daraus, über mich zu berichten, damit jeder weiß, wie dumm ich doch war oder bin.

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